Kurzüberblick

  • Früher konnte man schlechte Sichtbarkeit oft einfach mit Google Ads kompensieren.
  • Negative Bewertungen oder schlechte Presse ließen sich durch Werbebudget teilweise überdecken.
  • KI-gestützte Suchsysteme und Chatbots bewerten Unternehmen deutlich ganzheitlicher.
  • Schlechte Reputation kann dazu führen, dass Unternehmen von KI-Systemen schlicht nicht mehr empfohlen werden.
  • GEO wird dadurch zur Aufgabe der gesamten Organisation – und zur Chefsache.

Viele Jahre lang war digitales Marketing in gewisser Weise bequem. Wer bei Google schlecht sichtbar war, konnte Sichtbarkeit einfach einkaufen. Mit ausreichend Budget für Suchmaschinenwerbung (SEA – Search Engine Advertising) ließen sich Anzeigen prominent platzieren, schlechte organische Rankings kompensieren und manchmal sogar negative Schlagzeilen oder schlechte Bewertungen überdecken.

Doch mit dem Aufstieg von KI-gestützten Suchsystemen, Chatbots und Assistenzsystemen verändert sich dieses Spiel grundlegend. GEO – Generative Engine Optimization – funktioniert anders als klassische SEO. Und genau deshalb reicht es künftig nicht mehr aus, Probleme einfach mit Werbebudget zuzuschütten.


Sichtbarkeit konnte man früher kaufen

Im klassischen Suchmaschinenmarketing war die Mechanik relativ simpel:

  • Schlechte Rankings? → Google Ads buchen.
  • Negative Bewertungen? → Mit starken Werbetexten Aufmerksamkeit umlenken.
  • Schlechte Presse? → Mehr Budget in Kampagnen investieren.

Das Prinzip ist nicht neu. Auch im klassischen Printjournalismus wurde und wird oft versucht, sich positive Aufmerksamkeit über Inserate zu sichern. Unternehmen kaufen Werbeflächen und hoffen dadurch auf ein freundlicheres Umfeld oder zumindest auf weniger kritische Wahrnehmung. Für viele Marketingabteilungen war das bequem. Es war häufig einfacher, Geld für Werbung auszugeben, als interne Probleme tatsächlich zu lösen.


Das eigentliche Problem bleibt bestehen

Gerade in größeren oder gewachsenen Unternehmen kennt man solche Situationen:

Ein Hotel erhält schlechte Kununu-Bewertungen von Küchenmitarbeitern. Die Ursache liegt vielleicht im Führungsstil der Küchenchefin. Doch diese ist gleichzeitig die Ehefrau des Eigentümers. Die Marketingleitung – möglicherweise die Schwiegertochter – erhöht lieber das Budget für Google Ads, anstatt einen familieninternen Konflikt auszufechten. Im klassischen SEO- und SEA-Umfeld konnte dieses Vorgehen durchaus funktionieren. Sichtbarkeit war stark von Budget, Kampagnensteuerung und Anzeigenplatzierungen abhängig. Doch KI-Systeme verändern die Spielregeln.


KI-Systeme arbeiten anders

KI-gestützte Suchsysteme, Chatbots und Assistenzsysteme analysieren Informationen aus unterschiedlichsten Quellen gleichzeitig:

  • Bewertungen
  • Medienberichte
  • Foren
  • Erfahrungsberichte
  • Unternehmenswebseiten
  • strukturierte Daten
  • Erwähnungen im Web

Dadurch steigt das Risiko, dass negative Informationen direkt oder indirekt in KI-generierten Antworten berücksichtigt werden.

Besonders problematisch: Während man bei klassischen Suchergebnisseiten noch versuchen kann, mit auffälligen Anzeigen gegenzusteuern, funktioniert das bei KI-Assistenten kaum noch.

Wenn jemand künftig fragt:

„Welches Hotel in meiner Region ist empfehlenswert?“

… dann könnte ein KI-System problematische Anbieter schlicht nicht mehr empfehlen. Meistens passiert das ohne explizit negative Aussage. Das Unternehmen wird einfach ausgelassen.


Die stille Unsichtbarkeit wird zum Risiko

Genau das ist einer der größten Unterschiede zwischen SEO und GEO: Bei Google konnte man trotz schlechter Reputation sichtbar bleiben – solange Budget vorhanden war.

Bei KI-Systemen droht hingegen etwas viel Gefährlicheres: Die stille Unsichtbarkeit. Das Unternehmen wird nicht aktiv kritisiert. Es wird einfach nicht mehr genannt.

Und genau das könnte künftig enorme wirtschaftliche Auswirkungen haben – insbesondere dann, wenn KI-Assistenten direkt in:

  • Autos
  • Smartphones
  • Betriebssysteme
  • Office-Software
  • Sprachassistenten
  • Suchmaschinen

integriert sind.


GEO ist keine reine Marketingaufgabe mehr

Deshalb wird GEO zwangsläufig zu einer ganzheitlichen Unternehmensaufgabe, denn wenn KI-Systeme die gesamte digitale Reputation eines Unternehmens bewerten, dann reichen optimierte Landingpages und gute Kampagnen alleine nicht mehr aus.

Dann zählen plötzlich auch:

  • Unternehmenskultur
  • Mitarbeiterzufriedenheit
  • Kundenservice
  • Produktqualität
  • Reaktionsgeschwindigkeit
  • Transparenz
  • öffentliche Kommunikation
  • tatsächliche Problemlösung

Mit anderen Worten: GEO betrifft nicht nur Marketing. GEO betrifft die gesamte Organisation.


GEO wird zur Chefsache

Genau deshalb wird GEO zunehmend zur strategischen Managementaufgabe.

Unternehmen müssen sich künftig fragen:

  • Was erzählen Kunden wirklich über uns?
  • Was berichten Medien über uns?
  • Welche digitalen Spuren hinterlassen wir?
  • Welche Informationen könnte eine KI über uns zusammenführen?
  • Wo bestehen strukturelle Probleme, die sich nicht mehr „wegwerben“ lassen?

Die Zeiten, in denen man Sichtbarkeit einfach kaufen konnte, gehen langsam zu Ende.

Im KI-Zeitalter wird Authentizität wichtiger als Werbedruck. Und genau deshalb wird GEO (wie ich bereits letzte Woche geschrieben habe) zur Chefsache.

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Stephan Schmatz. Foto © Alexander Pfeffel

Stephan Schmatz

Der Niederösterreicher ist spezialisiert auf GEO und GEO-orientierten Content – mit fast 30 Jahren Erfahrung in digitaler Sichtbarkeit. Seine Weiterbildungen bei globalen Konzernen und internationalen Universitäten sichern fundiertes Know-how für nachhaltige KI-Sichtbarkeit. Mit visibilitas.at unterstützt er KMU, EPU und Freiberufler:innen dabei, in KI-gestützten Suchen sichtbar zu werden.

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