Kurzüberblick
- Viele Über-uns-Seiten enthalten austauschbare Aussagen wie „Qualität“, „Innovation“ oder „Kundennähe“, aber kaum konkrete Informationen.
- Für KI-Systeme sind eindeutige Fakten hilfreicher: Gründungsjahr, Standort, Leistungen, Spezialisierungen, Verantwortliche, Regionen und Branchen.
- Eine gute Über-uns-Seite hilft nicht nur Menschen, sondern auch Suchmaschinen und KI-Systemen zu verstehen, wer hinter einem Unternehmen steht.
- Wichtig ist nicht mehr Text, sondern mehr Substanz.
- Wer seine Unternehmensidentität klar beschreibt, verbessert damit auch die Grundlage für Generative Engine Optimization.
„Qualität steht bei uns an erster Stelle.“
„Wir verbinden Tradition mit Innovation.“
„Unsere Kunden stehen im Mittelpunkt.“
„Mit Leidenschaft und Kompetenz finden wir individuelle Lösungen.“
Kommt Ihnen das bekannt vor? Solche Sätze finden sich auf unzähligen Unternehmenswebsites. Sie klingen professionell, positiv und angenehm unverbindlich. Das Problem daran: Sie sagen praktisch nichts darüber aus, wer dieses Unternehmen eigentlich ist.
Für Menschen ist das schade. Für Suchmaschinen und KI-Systeme kann es noch problematischer sein, denn wenn ChatGPT, Gemini, Copilot oder andere Systeme ein Unternehmen verstehen sollen, helfen ihnen keine austauschbaren Werbeversprechen. Sie brauchen Fakten.
Stellen wir eine einfache Frage
Angenommen, eine KI soll folgende Frage beantworten: „Was ist die Firma Muster GmbH?“ Was müsste sie dafür wissen? Vielleicht:
- Was macht das Unternehmen?
- Wo befindet es sich?
- Seit wann gibt es die Firma?
- Wer leitet sie?
- Worauf ist sie spezialisiert?
- Für welche Kunden arbeitet sie?
- In welchen Regionen ist sie tätig?
- Welche Produkte oder Dienstleistungen bietet sie an?
- Gibt es besondere Kompetenzen oder eigene Entwicklungen?
Auf vielen Websites findet man darauf überraschend wenige eindeutige Antworten. Stattdessen liest man beispielsweise:
„Als innovatives und kundenorientiertes Unternehmen entwickeln wir individuelle Lösungen auf höchstem Qualitätsniveau.“
Schön. Aber was entwickelt das Unternehmen? Für wen? Seit wann? Wo? in welchem Bereich? Genau diese Informationen wären wesentlich hilfreicher.
Eine KI muss verstehen, wer Sie sind
Menschen können Informationen aus Kontexten relativ gut zusammensetzen. Sie sehen das Firmenlogo, klicken auf Produkte, schauen in den Kontaktbereich und lesen vielleicht noch einen Presseartikel. Danach haben sie ungefähr verstanden, womit das Unternehmen sein Geld verdient.
KI-Systeme versuchen ebenfalls, solche Zusammenhänge herzustellen. Dabei hilft es enorm, wenn zentrale Informationen über ein Unternehmen klar und eindeutig formuliert sind. Eine gute Über-uns-Seite sollte deshalb im Idealfall eine einfache Frage beantworten: Wer sind wir?
Und zwar nicht im philosophischen Sinne, sondern ganz konkret.
Beginnen Sie mit einem vernünftigen ersten Absatz
Vergleichen wir zwei Varianten.
Variante 1
„Wir sind ein innovatives Unternehmen mit langjähriger Erfahrung und höchstem Qualitätsanspruch. Mit Leidenschaft entwickeln wir individuelle Lösungen für unsere Kunden.“
Das könnte eine Maschinenbaufirma sein oder eine Werbeagentur oder ein Installateur oder ein Softwareunternehmen oder ein Tischler.
Variante 2
„Die Muster GmbH ist ein 2004 gegründeter Maschinenbaubetrieb mit Sitz in Krems an der Donau. Das Unternehmen entwickelt Software für die Praxisverwaltung. Zu den Kunden zählen Einzel- und Gemeinschaftspraxen sowie Primärversorungseinrichtungen in Österreich und Deutschland.“
Nach drei Sätzen weiß man bereits sehr viel – und eine KI ebenfalls. Das ist der entscheidende Unterschied.
Was sollte eine gute Über-uns-Seite enthalten?
Natürlich ist jedes Unternehmen anders. Ein Industriebetrieb benötigt andere Informationen als ein Hotel oder eine Steuerberatungskanzlei. Einige Angaben sind aber fast immer sinnvoll.
1. Der vollständige Unternehmensname
Wie lautet das Unternehmen offiziell?
Nicht nur: Muster
sondern beispielsweise: Muster Maschinenbau GmbH
Gerade bei häufig vorkommenden Firmennamen kann das wichtig sein. Denn eine KI muss unterscheiden können, ob es sich bei „Muster“ um einen Maschinenbauer in Österreich, eine Agentur in Deutschland oder einen Händler in der Schweiz handelt.
2. Standort und Tätigkeitsgebiet
Wo befindet sich das Unternehmen? Wo ist es tätig?
Das ist nicht zwangsläufig dasselbe. Ein Betrieb kann beispielsweise seinen Sitz in Niederösterreich haben, aber Kunden im gesamten DACH-Raum betreuen. Deshalb sind Aussagen wie diese hilfreich:
„Der Unternehmenssitz befindet sich in Krems an der Donau.“ und: „Das Unternehmen beliefert Kunden in Österreich, Deutschland, Tschechien und der Slowakei.“ Das sind konkrete Informationen, mit denen sich arbeiten lässt.
3. Gründungsjahr und Geschichte
Seit wann existiert das Unternehmen? Wie ist es entstanden? Gab es wichtige Entwicklungsschritte? Gerade bei traditionsreichen Betrieben sind diese Informationen häufig vorhanden, aber irgendwo tief in einer Chronik versteckt.
Dabei können wenige Sätze bereits reichen: „Das Unternehmen wurde 1998 von Maria Muster gegründet. Ursprünglich auf Reparaturen landwirtschaftlicher Geräte spezialisiert, begann die Firma 2007 mit der Entwicklung eigener Maschinen.“
Damit entstehen klare Zusammenhänge und gleichzeitig wird sichtbar, woher die heutige Kompetenz kommt.
4. Was macht das Unternehmen konkret?
Das klingt selbstverständlich, ist es aber nicht. Viele Websites beschreiben Leistungen über mehrere Seiten hinweg, ohne an einer zentralen Stelle zusammenzufassen, was das Unternehmen eigentlich tut.
Eine Über-uns-Seite sollte diese Frage klar beantworten.
Zum Beispiel: „Wir entwickeln, produzieren und vertreiben Maschinen für Weinlese und Obsternte.“ Oder: „Unsere Kanzlei berät kleine und mittlere Unternehmen in den Bereichen Steuerrecht, Lohnverrechnung und Unternehmensgründung.“
Einfach. Konkret. Verständlich.
5. Spezialisierungen
Was kann das Unternehmen besonders gut? Hier wird es für GEO interessant. Denn Menschen fragen KI-Systeme häufig nicht nach einem bestimmten Firmennamen. Sie fragen beispielsweise: „Welche Unternehmen entwickeln Spezialmaschinen für die Weinlese?“ oder: „Welche Hotels in der Wachau sind auf Radtouristen spezialisiert?“ oder: „Welche Agenturen in Österreich beschäftigen sich mit Generative Engine Optimization?“.
Damit ein Unternehmen bei solchen Fragestellungen überhaupt als relevant erkannt werden kann, müssen diese Spezialisierungen irgendwo klar beschrieben sein.
Nicht nur: „Wir bieten individuelle Lösungen.“ Sondern beispielsweise: „Das Unternehmen ist auf Software für Anwälte im Familienrecht spezialisiert.“
6. Branchen und Kundengruppen
Für wen arbeitet das Unternehmen? Auch das wird erstaunlich oft nicht eindeutig genannt. Dabei sind Kundengruppen wertvolle Informationen.
Zum Beispiel:
- Gemeinden,
- Straßenmeistereien,
- Hotels,
- Winzer,
- Industrieunternehmen,
- Arztpraxen,
- Gastronomiebetriebe,
- Privatkunden.
Eine KI kann daraus wesentlich leichter ableiten, für welche Fragestellungen ein Unternehmen relevant sein könnte.
7. Verantwortliche Personen
Ein Unternehmen besteht nicht nur aus Logo und Firmenname. Menschen spielen eine wichtige Rolle. Wer ist Geschäftsführer? Wer hat das Unternehmen gegründet? Wer verantwortet bestimmte Fachbereiche? Welche Experten stehen hinter den Leistungen?
Dafür eignen sich kurze Personenprofile mit:
- vollständigem Namen,
- Position,
- Verantwortungsbereich,
- fachlichem Hintergrund,
- gegebenenfalls Qualifikationen.
Ein Satz wie: „Geschäftsführer Max Muster ist Maschinenbautechniker und beschäftigt sich seit mehr als 20 Jahren mit Erntemaschinen.“ liefert wesentlich mehr Kontext als: „Unser Geschäftsführer Max Muster steht für Innovation und Kundenorientierung.“
8. Eigene Produkte, Marken oder Entwicklungen
Hat ein Unternehmen eigene Produkte entwickelt? Besitzt es Marken? Patente? Besondere Verfahren? Softwarelösungen?
Dann sollte das klar ausgesprochen werden.
Beispielsweise: „Die von Muster entwickelte X-1000 ist eine hydraulische Spezialmaschine zur Traubenernte.“ Damit werden Zusammenhänge zwischen Unternehmen, Produkt und Anwendungsgebiet geschaffen. Genau solche Beziehungen sind hilfreich, wenn KI-Systeme Informationen über Unternehmen einordnen.
Marketingbegriffe sind nicht verboten
Das bedeutet nicht, dass eine Über-uns-Seite völlig emotionslos sein muss. Natürlich darf ein Unternehmen über Werte sprechen. Natürlich darf es erklären, wofür es steht – und natürlich darf eine Website sympathisch klingen. Das Problem entsteht nur dann, wenn Marketingbegriffe konkrete Informationen ersetzen.
- „Qualität“ ist kein Unternehmensprofil.
- „Innovation“ ist keine Spezialisierung.
- „Kundennähe“ erklärt keine Dienstleistung.
Am besten funktioniert deshalb eine Kombination. Zuerst Fakten, dann Haltung.
Fakten sind besser als Superlative
Viele Unternehmen wollen sich möglichst positiv darstellen. Deshalb entstehen Formulierungen wie:
- „führend“
- „innovativ“
- „einzigartig“
- „hochprofessionell“
- „modern“
- „zukunftsorientiert“
Diese Begriffe sind schwierig. Nicht nur, weil sie austauschbar sind, sondern auch, weil sie häufig nicht überprüfbar sind. Besser sind konkrete Aussagen. Statt: „Wir gehören zu den innovativsten Unternehmen unserer Branche.“ lieber: „Seit 2018 entwickelt das Unternehmen Software für Schönheitskliniken.“ Statt: „Unser erfahrenes Team bietet höchste Kompetenz.“ lieber: „Unser Team besteht aus 28 Mitarbeitern aus den Bereichen Konstruktion, Metalltechnik, Vertrieb und Service.“ Konkrete Informationen schaffen Glaubwürdigkeit.
Warum das für GEO relevant ist
Generative Engine Optimization beschäftigt sich vereinfacht gesagt damit, Unternehmen, Produkte und Informationen für KI-Systeme möglichst gut verständlich und einordbar zu machen. Dazu muss ein System Zusammenhänge erkennen können.
Zum Beispiel:
- Firma → Standort
- Firma → Branche
- Firma → Produkte
- Firma → Personen
- Firma → Leistungen
- Firma → Zielgruppen
- Firma → Regionen
Je klarer diese Beziehungen auf einer Website beschrieben sind, desto leichter lässt sich ein Unternehmen einordnen. Man könnte dafür komplizierte technische Begriffe verwenden. Muss man aber nicht. Im Grunde geht es um etwas sehr Einfaches: Erklären Sie eindeutig, wer Sie sind.
Die Über-uns-Seite als Unternehmens-Steckbrief
Eine praktische Übung: Stellen Sie sich vor, jemand müsste Ihr Unternehmen anhand Ihrer Über-uns-Seite in fünf Sätzen beschreiben.
Könnte er anschließend folgende Fragen beantworten?
- Wie heißt das Unternehmen?
- Wo befindet es sich?
- Was macht es?
- Seit wann gibt es die Firma?
- Worauf ist sie spezialisiert?
- Für wen arbeitet sie?
- Wer sind wichtige Personen?
- In welchen Regionen ist sie tätig?
Wenn nicht, fehlen vermutlich wichtige Informationen.
Verstecken Sie Fakten nicht in der Unternehmensgeschichte
Auch das sieht man häufig. Die entscheidenden Informationen stehen irgendwo in einem langen Text.
Zum Beispiel: „Nachdem unser Gründer bereits viele Jahre Erfahrung gesammelt hatte, entschloss er sich schließlich dazu, den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen …“ Erst drei Absätze später erfährt man, dass die Firma 2007 gegründet wurde. Warum nicht einfach schreiben: „Das Unternehmen wurde 2007 gegründet.“? Danach kann die Geschichte gerne ausführlicher erzählt werden. Klare Fakten und gutes Storytelling schließen einander nicht aus.
Denken Sie auch an andere Unternehmensseiten
Natürlich muss nicht jede Information ausschließlich auf der Über-uns-Seite stehen.
Es kann eigene Seiten geben für:
- Team,
- Unternehmensgeschichte,
- Standorte,
- Produkte,
- Referenzen,
- Karriere,
- Presse.
Wichtig ist nur, dass die Zusammenhänge eindeutig bleiben. Die Über-uns-Seite kann dabei als zentrale Zusammenfassung dienen und auf weiterführende Informationen verweisen.
Auch strukturierte Daten können helfen
Zusätzlich zu verständlichen Texten können strukturierte Daten dabei helfen, bestimmte Informationen maschinenlesbar bereitzustellen. Beispielsweise lassen sich Angaben zu:
- Unternehmen,
- Personen,
- Standorten,
- Kontaktinformationen
entsprechend auszeichnen.
Aber auch hier gilt: Strukturierte Daten können schlechte Inhalte nicht retten. Wenn auf der Website nicht klar beschrieben wird, was ein Unternehmen tut, hilft auch das schönste Markup nur begrenzt. Zuerst müssen die Informationen stimmen. Dann kann man sie technisch zusätzlich strukturieren.
Ein kleiner Selbsttest
Öffnen Sie Ihre eigene Über-uns-Seite. Stellen Sie sich vor, Sie wüssten nichts über das Unternehmen. Suchen Sie nach Antworten auf diese Fragen:
- Wie lautet der vollständige Firmenname?
- Wo ist das Unternehmen ansässig?
- Wann wurde es gegründet?
- Was macht es genau?
- Worauf ist es spezialisiert?
- Welche Produkte oder Dienstleistungen bietet es an?
- Wer sind wichtige Verantwortliche?
- Für welche Kundengruppen arbeitet es?
- In welchen Regionen ist es tätig?
- Welche besonderen Kompetenzen besitzt es?
Wenn Sie dafür fünf weitere Unterseiten öffnen oder Google bemühen müssen, lässt sich die Über-uns-Seite vermutlich noch verbessern.
Fazit: Sagen Sie der KI nicht, wie toll Sie sind – sagen Sie ihr, wer Sie sind
Die klassische Über-uns-Seite wurde lange als Ort für Imagepflege betrachtet. Hier durfte man über Qualität, Leidenschaft, Innovation und Kundennähe sprechen. Das darf man weiterhin. Für Generative Engine Optimization kommt aber eine zweite Aufgabe hinzu: Die Seite sollte einem technischen System möglichst eindeutig erklären, welches Unternehmen hier eigentlich beschrieben wird.
- Gründungsjahr.
- Standort.
- Leistungen.
- Spezialisierungen.
- Personen.
- Kundengruppen.
- Regionen.
- Produkte.
Das klingt vielleicht weniger spektakulär als „Innovation aus Leidenschaft“, ist aber erheblich informativer – und genau darum geht es! Denn bevor eine KI Ihr Unternehmen empfehlen, zitieren oder sinnvoll einordnen kann, muss sie zunächst einmal verstanden haben, wer Sie überhaupt sind.
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Stephan Schmatz
Der Niederösterreicher ist spezialisiert auf GEO und GEO-orientierten Content – mit fast 30 Jahren Erfahrung in digitaler Sichtbarkeit. Seine Weiterbildungen bei globalen Konzernen und internationalen Universitäten sichern fundiertes Know-how für nachhaltige KI-Sichtbarkeit. Mit visibilitas.at unterstützt er KMU, EPU und Freiberufler:innen dabei, in KI-gestützten Suchen sichtbar zu werden.
