Kurzüberblick

  • Google bleibt in der klassischen Suche klar führend – aber Bing ist deutlich wichtiger, als viele Website-Betreiber glauben.
  • Viele KI- und Assistenzsysteme nutzen Bing direkt oder indirekt als Such- und Datenquelle, besonders im Microsoft-Umfeld.
  • Bing Webmaster Tools ersetzen nicht die Google Search Console, ergänzen sie aber sinnvoll für Indexierung, Fehleranalyse und technische Sichtbarkeit.
  • Die neue AI-Performance-Funktion in Bing Webmaster Tools kann künftig Hinweise geben, ob Seiten in KI-Antworten zitiert werden.
  • Für WordPress-Websites ist IndexNow empfehlenswert, weil neue und geänderte URLs automatisch an Bing und weitere Suchmaschinen gemeldet werden.

Viele Unternehmen setzen Websuche noch immer fast automatisch mit Google-Suche gleich. Und ja: Google ist weiterhin der klare Marktführer. Laut StatCounter lag Google im April 2026 in Deutschland bei rund 80,2 %, in Österreich bei rund 80,3 % und in der Schweiz bei rund 81,5 % Marktanteil über alle Geräte hinweg. Bing lag in diesen Märkten jeweils bei rund 9,7 bis 10,2 %.

Wer nur auf die klassische Suche durch Menschen blickt, könnte daraus schließen: Google bleibt Pflicht, Bing ist nett, aber zweitrangig. Genau diese Sichtweise greift heute zu kurz.

Denn Bing ist längst nicht mehr nur die Suchmaschine, die Menschen bewusst im Browser öffnen. Bing ist zur Daten- und Suchinfrastruktur im Hintergrund geworden – besonders dort, wo KI-Systeme aktuelle Informationen aus dem Web brauchen.

Bing ist kleiner als Google – aber größer, als viele glauben

Bing führte lange ein Schattendasein. Viele Menschen verwenden Google aus Gewohnheit, über den Browser, über Android, über Safari oder über die Google-Suche am Smartphone.

Trotzdem ist Bing nicht bedeutungslos. Rund zehn Prozent Suchmaschinenanteil in Deutschland, Österreich und der Schweiz sind bereits mehr, als viele erwarten würden. Auf Desktop-Geräten ist der Bing-Anteil in einzelnen Märkten sogar deutlich höher: In Deutschland weist StatCounter für Desktop-Suchmaschinenhosts im April 2026 rund 17,44 % Bing-Anteil aus, in Österreich 17,35% und in der Schweiz rund 17,14 %.

Noch wichtiger ist aber: Diese Zahlen zeigen nur die direkte Nutzung. Sie zeigen nicht, wie oft Bing indirekt verwendet wird – nämlich über KI-Assistenten, Microsoft-Produkte, Unternehmensumgebungen und digitale Assistenzsysteme.

Viele KI-Antworten beginnen mit einer Bing-Suche

Microsoft Copilot ist das offensichtlichste Beispiel. Microsoft erklärt selbst, dass Copilot Search auf Bing-Suchergebnissen basiert. Copilot nutzt Bing-Suchergebnisse für die ursprüngliche Anfrage und kann zusätzliche Suchanfragen im Namen des Nutzers ausführen, um Informationen und Quellen für die Antwort zu finden.

Microsoft beschreibt, dass Copilot aus einem Prompt eine Bing-Suchanfrage erzeugen kann. Dabei wird nicht der komplette Prompt als Suchanfrage verwendet, sondern eine aus dem Prompt abgeleitete Suchanfrage.

Noch weiter geht es im Unternehmens- und Entwicklerbereich: Azure AI Foundry und Microsoft Copilot Studio können sogenannte „Grounding with Bing Search“-Funktionen verwenden. Damit lassen sich KI-Agenten mit aktuellen öffentlichen Webdaten aus Bing verbinden. Microsoft beschreibt diese Funktion ausdrücklich als Möglichkeit, Agentenantworten mit Bing Search und aktuellen Webinformationen zu „grounden“.

Auch ChatGPT hatte und hat Berührungspunkte mit Bing. Microsoft kündigte bereits 2023 die Integration von Bing Search in ChatGPT an.

Die wichtige Erkenntnis lautet daher: Ihre Website muss nicht nur in Google gut auffindbar sein. Sie muss auch für Bing sauber crawlbar, indexierbar und verständlich sein.

Bing steckt auch in digitalen Assistenten

Bing taucht nicht nur in klassischen Suchmaschinen oder Chatbots auf. Auch digitale Assistenten können Bing als Wissensquelle verwenden.

Ein Beispiel ist Mercedes-Benz: Der MBUX Sprachassistent kann laut Mercedes-Benz mithilfe von KI aktuelle Antworten auf Wissensfragen liefern, indem er eine Suchanfrage über Microsoft Bing auslöst. Die Antwort wird anschließend mit ChatGPT über Microsoft Azure OpenAI Service in natürlicher Sprache generiert.

Das ist genau die Art von indirekter Suche, die in klassischen SEO-Auswertungen oft unsichtbar bleibt. Der Nutzer „googelt“ nicht. Er fragt sein Auto, seinen Assistenten, sein Office-Programm oder seinen KI-Chatbot. Im Hintergrund kann trotzdem eine Websuche laufen – und diese Websuche kann über Bing kommen.

In Microsoft-Unternehmen ist Copilot oft der erlaubte KI-Kanal

Ein weiterer Punkt wird häufig unterschätzt: Viele Unternehmen sind tief in der Microsoft-Welt verankert. Outlook, Teams, SharePoint, OneDrive, Word, Excel, PowerPoint, Dynamics, Azure – all das ist in vielen Organisationen Standard.

Natürlich können Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter meist weiterhin Google im Browser öffnen. Wenn es aber um KI geht, sieht es oft anders aus. Aus Datenschutz-, Compliance- oder IT-Sicherheitsgründen erlauben Unternehmen häufig nicht beliebige KI-Tools. Stattdessen wird Copilot als offizieller, kontrollierter KI-Assistent eingeführt.

Das bedeutet: Wer in solchen Unternehmen über KI nach Informationen sucht, landet sehr wahrscheinlich in einem Microsoft-System. Und sobald dieses System öffentliche Webdaten nutzt, ist Bing ein naheliegender Bestandteil der Informationskette.

Bing hat daher eine enorme indirekte Nutzung. Diese Nutzung ist nicht immer als klassischer Bing-Traffic in Ihrer Webanalyse sichtbar. Sie kann aber darüber entscheiden, ob Ihre Inhalte in KI-Antworten, Copilot-Antworten oder assistierten Suchprozessen überhaupt vorkommen.

Warum Bing Webmaster Tools Pflicht werden

Viele Website-Betreiber nutzen die Google Search Console. Das ist richtig und wichtig. Aber es reicht nicht mehr.

Zusätzlich sollten Sie auch die Microsoft Bing Webmaster Tools einrichten. Sie sind ähnlich aufgebaut wie die Google Search Console und bieten wichtige Informationen dazu, wie Bing Ihre Website sieht. Microsoft beschreibt die Verifizierung unter anderem über eine XML-Datei, die in das Stammverzeichnis der Website hochgeladen wird. Alternativ können Websites auch über andere Methoden verifiziert werden.

Das ist aus Datenschutzsicht unproblematisch, weil Sie dafür kein externes Tracking-Skript auf Ihrer Website einbauen müssen. Sie weisen lediglich nach, dass Ihnen die Website gehört.

Wichtig ist aber auch: Die Nutzung der Bing Webmaster Tools führt nicht automatisch dazu, dass Ihre Website häufiger von KI-Systemen zitiert wird. Sie kaufen sich damit keine Sichtbarkeit. Sie schaffen aber die Voraussetzung, Probleme schneller zu erkennen.

Was Sie mit Bing Webmaster Tools konkret prüfen können

Die Bing Webmaster Tools helfen Ihnen zum Beispiel dabei, Crawling-Probleme, Indexierungsstatus, SEO-Fehler und strukturierte Daten zu prüfen. Das URL Inspection Tool zeigt laut Microsoft unter anderem Crawling-Probleme, Indexstatus, SEO-Fehler und Markup-Informationen an.

Das ist besonders wichtig, wenn eine Seite aus dem Index gefallen ist oder gar nicht erst aufgenommen wurde. Wenn Bing Ihre Inhalte nicht sauber indexieren kann, sinkt auch die Chance, dass Microsoft-basierte KI-Systeme diese Inhalte als Quelle verwenden.

Die Tools helfen also nicht dabei, KI-Systeme direkt zu „überreden“. Sie helfen aber dabei, technische Ausschlussgründe zu finden und zu beheben: blockierte Seiten, fehlerhafte Weiterleitungen, Probleme mit robots.txt, Canonicals, Serverantworten, Markup oder Indexierung.

AI Performance: ein Blick in die neue KI-Sichtbarkeit

Besonders spannend ist die neue AI Performance-Funktion in den Bing Webmaster Tools. Microsoft beschreibt sie als Dashboard, das zeigt, wann eine Website in KI-Antworten zitiert wird. Gemessen werden unter anderem die Gesamtzahl der Zitationen und zitierte Seiten. Die Funktion befindet sich als Public Preview beziehungsweise Beta im Aufbau.

Search Engine Land berichtet, dass AI Performance Sichtbarkeit über Microsoft Copilot, Bing AI Summaries und ausgewählte Partnerintegrationen zeigen soll. Gleichzeitig geht es dabei um Zitationen, nicht um klassische Klickdaten.

Das ist ein wichtiger Unterschied. In der klassischen Webanalyse sehen Sie Klicks. In der KI-Suche entstehen aber viele Kontakte ohne Klick. Ein Nutzer liest die Antwort, bekommt Ihre Marke oder Ihre Inhalte als Quelle angezeigt – besucht Ihre Website aber nicht zwingend sofort.

Genau deshalb werden solche Sichtbarkeitsdaten immer wichtiger. Sie zeigen nicht alles. Aber sie zeigen mehr als reine Klickstatistiken.

IndexNow: besonders sinnvoll für WordPress-Websites

Für WordPress-Benutzer empfehle ich zusätzlich das Plugin IndexNow.

Das offizielle WordPress-Plugin sendet neue, aktualisierte oder gelöschte URLs automatisch an Suchmaschinen, die IndexNow unterstützen. Laut seinen Programmierern generiert und hostet das Plugin den benötigten API-Key automatisch, erkennt Änderungen an Seiten und Beiträgen und übermittelt die URLs im Hintergrund.

IndexNow selbst beschreibt sich als einfachen Weg, Suchmaschinen und Crawler über neue, geänderte oder gelöschte Inhalte zu informieren. Ziel ist, dass Suchmaschinen Änderungen schneller entdecken und in ihren Ergebnissen berücksichtigen können.

Das bedeutet nicht, dass jede gemeldete URL garantiert sofort rankt. Aber es erhöht die Chance, dass neue oder aktualisierte Inhalte schneller entdeckt werden – besonders bei Bing und anderen teilnehmenden Suchsystemen.

Was bedeutet das für GEO und AI Visibility?

Für klassische SEO war Bing oft ein Nebenschauplatz. Für GEO – also die Sichtbarkeit in generativen KI-Systemen – ist Bing deutlich wichtiger.

Denn KI-Systeme brauchen aktuelle, strukturierte, verlässliche und abrufbare Informationen. Wenn Bing Ihre Website nicht sauber crawlen oder indexieren kann, fehlt eine mögliche Grundlage für Antworten in Microsoft Copilot, Bing AI Summaries, Microsoft 365 Copilot, Azure-basierten Agenten und manchen digitalen Assistenten.

GEO bedeutet daher nicht: Google vergessen. Ganz im Gegenteil. Google bleibt zentral.

GEO bedeutet aber: die Such- und Antwortlandschaft breiter denken. Google ist nicht mehr der einzige Eingang zur Information. Nutzerinnen und Nutzer suchen über Suchmaschinen, KI-Chats, Office-Assistenten, Unternehmens-Copilots, Fahrzeugassistenten und künftig noch viele weitere Schnittstellen.

Ihre Website muss für all diese Systeme möglichst klar verständlich sein.

Meine Empfehlung

Richten Sie die Google Search Console ein. Aber hören Sie dort nicht auf.

Richten Sie auch die Bing Webmaster Tools ein. Prüfen Sie Ihre wichtigsten Seiten. Reichen Sie Ihre Sitemap ein. Kontrollieren Sie Indexierungsprobleme. Beobachten Sie die AI-Performance-Funktion, sobald sie für Ihre Website verfügbar ist. Und wenn Sie WordPress nutzen, installieren Sie zusätzlich IndexNow.

Das ist kein großer Aufwand. Aber es ist ein wichtiger Schritt, damit Ihre Inhalte in einer KI-geprägten Suchwelt nicht übersehen werden.

Denn die entscheidende Frage lautet heute nicht mehr nur: „Findet man uns bei Google?“

Die bessere Frage lautet: Kann uns ein KI-System zuverlässig finden, verstehen und als Quelle verwenden?

Hilfe benötigt?

Benötigen Sie Hilfe bei der Einrichtung von Bing Webmaster Tools? Ich kann das gerne mit Ihnen durchführen! Kontaktieren Sie mich!

Stephan Schmatz. Foto © Alexander Pfeffel

Stephan Schmatz

Der Niederösterreicher ist spezialisiert auf GEO und GEO-orientierten Content – mit fast 30 Jahren Erfahrung in digitaler Sichtbarkeit. Seine Weiterbildungen bei globalen Konzernen und internationalen Universitäten sichern fundiertes Know-how für nachhaltige KI-Sichtbarkeit. Mit visibilitas.at unterstützt er KMU, EPU und Freiberufler:innen dabei, in KI-gestützten Suchen sichtbar zu werden.

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