Kurzüberblick
- KI-Systeme beziehen Informationen über Unternehmen häufig aus mehreren Quellen – nicht nur von der eigenen Website.
- Widersprechen sich Adresse, Öffnungszeiten, Leistungen, Preise oder andere Angaben, kann die KI falsche oder veraltete Informationen übernehmen.
- Besonders kritisch sind Abweichungen zwischen Website, Google-Unternehmensprofil, Branchenverzeichnissen, Social Media und externen Erwähnungen.
- Unternehmen sollten wichtige Stammdaten regelmäßig kontrollieren und möglichst konsistent halten.
- GEO bedeutet daher nicht nur, neue Inhalte zu erstellen, sondern auch, bestehende Informationen im Web aufzuräumen.
Wenn Menschen etwas über ein Unternehmen wissen möchten, besuchen sie längst nicht mehr automatisch dessen Website. Sie fragen Google, ChatGPT, Gemini, Copilot oder andere KI-Systeme. Genau hier entsteht ein Problem, das in vielen Unternehmen bislang kaum beachtet wird: Im Internet existieren häufig mehrere unterschiedliche Versionen derselben Wahrheit.
Auf der Website steht, dass das Geschäft bis 18 Uhr geöffnet ist. Im Google-Unternehmensprofil steht 17 Uhr. Auf Facebook findet sich noch eine Öffnungszeit von vor drei Jahren. Ein Branchenverzeichnis nennt eine alte Telefonnummer und irgendwo im Netz ist noch die frühere Firmenadresse gespeichert.
Welche dieser Informationen soll eine KI nun verwenden? Die Antwort ist unangenehm einfach: Das lässt sich nicht zuverlässig vorhersagen.
KI sucht sich ihre Informationen nicht nur auf Ihrer Website
Bei klassischer Suchmaschinenoptimierung lag der Fokus lange stark auf der eigenen Website. Natürlich spielten Links, Bewertungen und externe Erwähnungen ebenfalls eine Rolle, doch das zentrale Ziel war meistens klar: Die eigene Seite sollte in den Suchergebnissen möglichst weit oben erscheinen. Bei generativer KI funktioniert Informationsbeschaffung anders.
Abhängig vom verwendeten System, der konkreten Anfrage und der verfügbaren Suchfunktion können Informationen unter anderem von folgenden Quellen stammen:
- der Unternehmenswebsite,
- Suchmaschinen,
- Google-Unternehmensprofilen,
- Bing,
- Branchenverzeichnissen,
- Bewertungsplattformen,
- Online-Shops,
- Presseartikeln,
- Verbandsseiten,
- Social-Media-Profilen,
- Wikipedia,
- Händler- oder Partnerwebsites,
- öffentlichen Datenbanken.
Die eigene Website ist also wichtig, aber sie ist nicht automatisch die einzige oder in jedem Fall bevorzugte Informationsquelle. Genau deshalb wird Konsistenz zu einem wichtigen Bestandteil von Generative Engine Optimization.
Ein einfaches Beispiel: Wann hat das Restaurant geöffnet?
Nehmen wir ein Restaurant als Beispiel.
Auf der eigenen Website steht:
Montag bis Samstag: 11:00 bis 22:00 Uhr
Im Google-Unternehmensprofil findet sich:
Montag bis Freitag: 11:00 bis 22:00 Uhr
Samstag: geschlossen
Auf Facebook steht noch:
Täglich geöffnet
In einem Tourismusportal wiederum werden Öffnungszeiten von vor zwei Jahren angezeigt. Fragt nun jemand eine KI: „Hat das Restaurant am Samstag geöffnet?“ dann gibt es keine einheitliche Informationslage.
Vielleicht greift das System auf Google zurück. Vielleicht auf die Website. Vielleicht findet es ein Tourismusportal besonders relevant. Vielleicht werden mehrere Quellen miteinander kombiniert. Das Ergebnis kann richtig sein, es kann aber genauso gut falsch sein. Das Problem liegt dann nicht zwingend bei der KI. Das eigentliche Problem ist, dass das Unternehmen selbst im Internet mehrere unterschiedliche Antworten veröffentlicht hat.
Aus kleinen Abweichungen können große Probleme entstehen
Öffnungszeiten sind nur ein besonders offensichtliches Beispiel. Widersprüche können praktisch alle Unternehmensinformationen betreffen:
Adresse: Das Unternehmen ist vor zwei Jahren übersiedelt, aber alte Verzeichnisse nennen weiterhin den früheren Standort.
Telefonnummer: Auf der Website steht die neue Nummer, bei einem Branchenportal noch die alte.
Produkte: Ein Modell wurde eingestellt, ist aber auf alten Händlerseiten weiterhin zu finden.
Preise: Eine alte Preisliste befindet sich noch als PDF im Suchindex.
Leistungen: Auf der Website wurde ein Geschäftsbereich längst entfernt, während Social-Media-Profile ihn weiterhin nennen.
Mitarbeiter: Ein ehemaliger Geschäftsführer oder Ansprechpartner taucht noch auf verschiedenen Plattformen auf.
Liefergebiet: Die Website spricht von Österreich und Deutschland, ein älterer Eintrag nur von Österreich.
Für Menschen sind solche Unterschiede manchmal leicht erkennbar. Ein drei Jahre alter Facebook-Beitrag wird vermutlich weniger ernst genommen als die aktuelle Website. Eine KI muss diese Informationen jedoch zunächst einordnen und das funktioniert nicht immer so, wie sich ein Unternehmen das wünschen würde.
Was ist die „richtige“ Quelle?
Aus Unternehmenssicht liegt die Antwort scheinbar auf der Hand: „Natürlich unsere Website!“ Aus Sicht eines KI-Systems ist das jedoch keineswegs selbstverständlich. Eine externe Quelle kann durchaus als vertrauenswürdig erscheinen. Wenn beispielsweise ein Hotel seine eigene Website seit Monaten nicht aktualisiert hat, das regionale Tourismusportal aber täglich gepflegt wird, kann Letzteres möglicherweise aktuellere Informationen enthalten.
Auch die Art der Information spielt eine Rolle. Für eine Firmenadresse kann ein offizielles Register relevant sein. Für Öffnungszeiten möglicherweise ein Kartendienst. Für Produktbewertungen eine Fachzeitschrift. Für technische Daten die Herstellerwebsite.
Es gibt daher nicht die eine universelle Quelle, der jede KI immer glaubt. Genau deshalb ist es problematisch, GEO nur als Optimierung der eigenen Website zu verstehen.
Die eigene Website sollte trotzdem die Referenz sein
Auch wenn sich nicht kontrollieren lässt, welche Quelle ein KI-System im konkreten Fall verwendet, sollte die eigene Website die zentrale Referenz für Unternehmensinformationen darstellen. Dort sollten wichtige Informationen eindeutig, aktuell und leicht auffindbar sein. Das klingt banal, ist aber in der Praxis überraschend häufig nicht der Fall.
Öffnungszeiten finden sich nur im Footer. Preise stehen ausschließlich in einem PDF. Standorte werden auf drei Unterseiten unterschiedlich geschrieben. Produktdaten unterscheiden sich zwischen Shop und Produktseite. Wer von KI-Systemen korrekt verstanden werden möchte, sollte zunächst dafür sorgen, dass die eigene Website selbst widerspruchsfrei ist.
Eine Wahrheit, viele Plattformen
Im Datenmanagement wird häufig vom Prinzip einer „Single Source of Truth“ gesprochen. Gemeint ist damit eine zentrale, verlässliche Quelle für Informationen. Im Zusammenhang mit GEO lässt sich dieser Gedanke sinnvoll übertragen. Ein Unternehmen sollte für zentrale Informationen eine eindeutige Referenz definieren und anschließend versuchen, dieselben Angaben möglichst konsistent auf anderen Plattformen zu veröffentlichen.
Dazu gehören beispielsweise:
- Firmenname,
- Adresse,
- Telefonnummer,
- E-Mail-Adresse,
- Öffnungszeiten,
- Standorte,
- angebotene Leistungen,
- Produktbezeichnungen,
- Preise,
- Ansprechpartner,
- Liefergebiete.
Je eindeutiger diese Angaben im Web sind, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein KI-System unterschiedliche Versionen miteinander vermischt.
Besonders problematisch: alte Informationen
Eine häufig unterschätzte Ursache von Fehlern sind nicht aktuelle falsche Angaben, sondern historische Informationen. Das Internet vergisst bekanntlich nur ungern. Alte PDFs bleiben erreichbar. Frühere Unterseiten werden weiterhin von Suchmaschinen indexiert. Pressemitteilungen nennen ehemalige Mitarbeiter. Händler verwenden Produkttexte, die längst überholt sind. Gerade bei länger bestehenden Unternehmen entsteht dadurch mit der Zeit ein regelrechter Informationsfriedhof.
Menschen können meistens erkennen, dass ein Artikel aus dem Jahr 2018 möglicherweise nicht mehr aktuell ist. Bei klaren Fakten funktioniert das jedoch nicht immer zuverlässig. Wenn beispielsweise fünf ältere Quellen eine Telefonnummer nennen und nur eine aktuelle Seite eine andere, entsteht ein widersprüchliches Signal.
GEO ist deshalb auch digitale Aufräumarbeit
Generative Engine Optimization wird häufig mit neuen Inhalten verbunden. Man soll FAQs schreiben, strukturierte Daten einsetzen, Expertenwissen veröffentlichen oder Antworten auf typische Kundenfragen bereitstellen. Das ist sinnvoll. Mindestens genauso wichtig kann jedoch etwas wesentlich Unspektakuläreres sein: Aufräumen.
- Welche Unternehmensinformationen existieren im Web?
- Welche davon sind noch korrekt?
- Wo finden sich veraltete Angaben?
- Welche Plattformen werden überhaupt noch gepflegt?
- Existieren alte PDFs, Produktseiten oder Profile?
- Sind Unternehmensname und Adresse überall identisch geschrieben?
Gerade bei Unternehmen, die seit vielen Jahren bestehen, kann diese Bestandsaufnahme überraschende Ergebnisse liefern.
Ein einfacher GEO-Check
Für einen ersten Check braucht es kein teures Monitoring-System.
Suchen Sie nach Ihrem eigenen Unternehmen und kontrollieren Sie zumindest folgende Quellen:
- eigene Website,
- Google-Unternehmensprofil,
- Bing bzw. Bing Places,
- wichtige Branchenverzeichnisse,
- relevante Bewertungsplattformen,
- Facebook, LinkedIn und andere gepflegte Social-Media-Profile,
- Händler- und Partnerseiten,
- alte PDFs und Pressemitteilungen.
Vergleichen Sie anschließend einige zentrale Fakten:
- Firmenname,
- Adresse,
- Telefonnummer,
- Öffnungszeiten,
- wichtigste Leistungen,
- Produkte,
- Ansprechpartner.
Wenn bereits Menschen dabei unterschiedliche Angaben finden, werden KI-Systeme vermutlich ebenfalls Schwierigkeiten bekommen.
Nicht jede Abweichung ist ein Problem
Natürlich müssen Informationen nicht überall wortgleich stehen. Auf LinkedIn darf eine Unternehmensbeschreibung anders formuliert sein als auf der eigenen Website. Eine Tourismusseite beschreibt ein Hotel möglicherweise aus einer anderen Perspektive als das Hotel selbst. Problematisch wird es dort, wo sich Fakten widersprechen.
„Das Unternehmen wurde 1998 gegründet“ und „das Unternehmen besteht seit mehr als 25 Jahren“ widersprechen sich nicht. „Samstag geöffnet“ und „Samstag geschlossen“ hingegen sehr wohl.
Es geht bei GEO daher nicht um identische Texte, sondern um konsistente Tatsachen.
Die Wahrheit lässt sich nicht vollständig kontrollieren
Eine wichtige Einschränkung bleibt allerdings. Unternehmen können nicht bestimmen, was überall im Internet über sie geschrieben wird. Medien können Fehler machen. Kunden können falsche Angaben veröffentlichen. Branchenverzeichnisse übernehmen veraltete Daten. Alte Dokumente bleiben auf fremden Websites erhalten.
GEO bedeutet daher nicht, vollständige Kontrolle über die eigene Darstellung zu bekommen, das wäre unrealistisch. Sehr wohl kontrollieren lässt sich aber, wie klar und konsistent die eigenen Informationen veröffentlicht werden. Je eindeutiger die Primärquellen sind, desto leichter können Menschen, Suchmaschinen und KI-Systeme falsche oder veraltete Angaben erkennen.
Fazit: Bevor Sie die KI optimieren, optimieren Sie Ihre Fakten
Bei Generative Engine Optimization denken viele zuerst darüber nach, wie sie ChatGPT, Gemini oder andere Systeme dazu bringen können, ihr Unternehmen häufiger zu erwähnen.
Die grundlegendere Frage lautet jedoch: Welche Informationen würden diese Systeme überhaupt finden?
Wenn Ihre Website etwas anderes sagt als Google, Facebook, Branchenportale und Händlerseiten, sollte man sich über falsche KI-Antworten nicht wundern. Eine der einfachsten GEO-Maßnahmen kostet deshalb zunächst weder neue Software noch komplizierte Technik: Sorgen Sie dafür, dass im Internet möglichst klar erkennbar ist, was tatsächlich stimmt.
Denn bevor eine KI Ihr Unternehmen richtig empfehlen kann, muss sie zuerst verstehen, wer Sie sind, was Sie anbieten – und welche der vielen Informationen über Sie noch aktuell sind.
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Stephan Schmatz
Der Niederösterreicher ist spezialisiert auf GEO und GEO-orientierten Content – mit fast 30 Jahren Erfahrung in digitaler Sichtbarkeit. Seine Weiterbildungen bei globalen Konzernen und internationalen Universitäten sichern fundiertes Know-how für nachhaltige KI-Sichtbarkeit. Mit visibilitas.at unterstützt er KMU, EPU und Freiberufler:innen dabei, in KI-gestützten Suchen sichtbar zu werden.
