Kurzüberblick
- KI-Chatbots erfinden oder schätzen manchmal Preise, wenn auf einer Website keine konkreten Preisangaben vorhanden sind.
- Die Schätzungen verschiedener KI-Systeme können stark voneinander abweichen – von deutlich zu niedrig bis deutlich zu hoch.
- Falsche Preisannahmen können dazu führen, dass potenzielle Kunden oder öffentliche Auftraggeber Produkte gar nicht erst in Betracht ziehen oder falsch budgetieren.
- Gelangen solche Fehlinformationen in Medienberichte oder andere Online-Quellen, können sie sich über KI-Systeme und Suchmaschinen weiterverbreiten.
- Im GEO-Zeitalter gilt mehr denn je: Je klarer und vollständiger Informationen auf der Website sind, desto geringer ist das Risiko, dass KI-Systeme wichtige Fakten selbst „herbeifantasieren“.
Vor Kurzem ist mir etwas Erstaunliches passiert.
Ich bat einen KI-Chatbot, auf Basis der Website eines Kunden einen Text zu erstellen. Obwohl ich gar nicht danach gefragt hatte, baute der Chatbot einen konkreten Produktpreis in den Text ein. Das Problem: Der genannte Preis war schlicht falsch.
Auf Nachfrage räumte der Chatbot ein, dass er den Preis geschätzt hatte – basierend auf verschiedenen Merkmalen des Produkts und vergleichbaren Angeboten.
Da ich den tatsächlichen Preis kannte – rund 15.000 Euro – wollte ich wissen, wie andere KI-Systeme das Produkt einschätzen würden. Also fragte ich mehrere bekannte Chatbots.
Die KI-Preisrallye
Das Ergebnis war bemerkenswert:
| KI-System | Geschätzter Preis |
|---|---|
| Google Gemini | 5.000 bis 8.000 Euro |
| Perplexity | 12.000 bis 20.000 Euro |
| Mistral Le Chat | 15.000 bis 25.000 Euro |
| OpenAI ChatGPT | 15.000 bis 30.000 Euro |
| Microsoft Copilot | 25.000 bis 35.000 Euro |
Drei von fünf Systemen nannten eine Preisspanne, in der der tatsächliche Preis von rund 15.000 Euro enthalten war. Ein System lag deutlich darunter, ein anderes deutlich darüber.
Natürlich könnte man argumentieren, dass bei Produkten dieser Preisklasse ohnehin jeder Käufer direkt beim Hersteller oder Händler anfragt. Das stimmt jedoch nicht immer.
Wenn falsche Preise zu verlorenen Aufträgen führen
Im konkreten Fall handelt es sich um ein Produkt, das regelmäßig von Institutionen der öffentlichen Hand beschafft wird.
Bevor dort eine Kaufentscheidung getroffen werden kann, muss ein Budget vorgesehen werden. Wer schon einmal an Budgetplanungen beteiligt war, weiß, wie hektisch die entsprechenden Wochen sein können. Wenn Preise nicht leicht recherchierbar sind, liegt es nahe, einen KI-Chatbot um eine Einschätzung zu bitten.
Genau hier entsteht ein Problem.
Szenario 1: Die KI schätzt zu niedrig
Eine Institution fragt Gemini und erhält die Empfehlung, mit rund 8.000 Euro zu kalkulieren. Dieser Betrag wird genehmigt.
Monate später folgt die konkrete Anfrage. Das Angebot liegt bei rund 15.000 Euro. Niemand erinnert sich mehr daran, woher die ursprüngliche Zahl stammt. Das Produkt wirkt plötzlich überteuert, die Verantwortlichen fühlen sich möglicherweise sogar getäuscht. Der Kauf wird auf unbestimmte Zeit verschoben.
Szenario 2: Die KI schätzt zu hoch
Eine andere Institution fragt Copilot und erhält eine Schätzung von rund 30.000 Euro.
Dieser Betrag wird intern nicht freigegeben. Man geht davon aus, dass das Produkt außerhalb des Budgets liegt und beschäftigt sich gar nicht weiter damit. Auch hier kommt kein Auftrag zustande.
In beiden Fällen wäre ein Budget von 15.000 Euro möglicherweise problemlos genehmigt worden. Die Kaufentscheidung scheitert nicht am Produkt, sondern an einer falschen KI-Schätzung.
Wenn Halluzinationen zu „Fakten“ werden
Noch problematischer wird es, wenn solche Fantasiepreise ihren Weg ins Internet finden.
Stellen wir uns einen Journalisten vor, der unter Zeitdruck einen Artikel über das Produkt schreiben soll. Er nutzt einen KI-Chatbot als Hilfsmittel. Die Formulierungen werden überarbeitet, der Text wird kontrolliert – doch der erfundene Preis bleibt unbemerkt. Der Artikel wird veröffentlicht.
Von diesem Moment an wird der Preis von Suchmaschinen, KI-Systemen und anderen Datensammlern erfasst. Was ursprünglich nur eine Spekulation war, erscheint plötzlich als zitierbare Information.
Die nächste Generation von KI-Systemen halluziniert den Preis nicht mehr. Sie übernimmt ihn einfach aus einer vermeintlich seriösen Quelle.
Die Folgen können erheblich sein:
- Kunden halten den tatsächlichen Preis für überzogen.
- Händler müssen sich rechtfertigen.
- Interessenten verzichten auf eine Anfrage.
- Hersteller verlieren potenzielle Aufträge.
Aus einer einzelnen Fehlinformation kann so ein langfristiges Wahrnehmungs- und Glaubwürdigkeitsproblem entstehen.
Was Unternehmen dagegen tun können
Die einfachste Lösung ist eine transparente Preisangabe auf der Website.
Das ist jedoch nicht immer möglich. Viele Produkte und Dienstleistungen müssen individuell konfiguriert werden. In solchen Fällen sollte zumindest erklärt werden, warum kein fixer Preis genannt werden kann.
Hilfreich sind beispielsweise Hinweise auf:
- individuelle Konfigurationen
- projektspezifische Anpassungen
- unterschiedliche Ausstattungsvarianten
- optionale Zusatzleistungen
Auch Preisbeispiele oder typische Preisbereiche können helfen, falsche Spekulationen zu vermeiden.
Eine Garantie gibt es dafür nicht. KI-Systeme werden weiterhin versuchen, Lücken mit Wahrscheinlichkeiten zu füllen.
Doch gerade im Bereich der Generative Engine Optimization (GEO) gilt eine einfache Regel:
Je klarer und konkreter Ihre Website Informationen bereitstellt, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass KI-Systeme eigene Antworten erfinden.
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Stephan Schmatz
Der Niederösterreicher ist spezialisiert auf GEO und GEO-orientierten Content – mit fast 30 Jahren Erfahrung in digitaler Sichtbarkeit. Seine Weiterbildungen bei globalen Konzernen und internationalen Universitäten sichern fundiertes Know-how für nachhaltige KI-Sichtbarkeit. Mit visibilitas.at unterstützt er KMU, EPU und Freiberufler:innen dabei, in KI-gestützten Suchen sichtbar zu werden.
